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In Memoriam: Erinnerungen an meine kleine tapfere Kämpferin Coco

Coco meine West Highland White Terrier Hündin.

Westiedame COCO

Seniorenblog Coco Westiehündin

Ich lernte sie als Kundenhund kennen, ich hatte einen kleinen Hundesalon in Graz wo ich als Hunde- und Katzenfriseurin werkte. Im Abstand von 12 Wochen kam ihre Besitzerin regelmäßig zur Pflege, denn seit sie wusste dass sie schwanger war, hat sie den Hund nicht mehr berührt, man könnte Bakterien übertragen, das wäre für sie oder das Ungeborene lebensgefährlich………

Als sie wieder einmal zur Pflege abgegeben wurde, fragte mich die Besitzerin so beiläufig ob ICH die kleine Coco nicht nehmen wolle, denn das Kind war indessen 3 Jahre alt, die Scheidung stand bevor, das Kind und den Hund könne sie nicht bewältigen. Besonders weil sie inzwischen wieder arbeiten gehe, der Hund derzeit 12 Stunden eingesperrt sein muss.

Beim Kind helfe der Vater mit, aber beim Hund nicht. Wenn sich keine Lösung findet wird sie eingeschläfert. Da war die kleine Coco gerade 6 Jahre alt.

Nun vom ersten Kennenlernen an, war sie mein Lieblingshund, von der ganzen Rasselbande die sich von mir verschönen hatten lassen. Sie war dankbar für jedes freundliche Wort und jede Streicheleinheit die sie bekommen hat.

So habe ich sie aufgenommen. Wir waren unzertrennlich, täglich bei der Arbeit und allen Aktivitäten war sie mit dabei. Sie hat mich ganz genau beobachtet, wenn ein Hund am Tisch war. ein Blick zu mir, wenn der Kundenhund zum Beispiel verfilzt war, und sich nicht bürsten lassen wollte: “was machst du denn mit ihm?” Ich sagte dann meistens: ” Es ist gar nichts, bürsten muss halt sein, es passiert ihm schon nichts.” Und sie - hat weiter aufgepasst dass dem Hund ja nichts passiert. Und wie sie mich fixiert hat……

Dann wieder einmal, wenn ein Hund sich überhaupt nicht von mir bearbeiten hat lassen wollen, der verfilzt und vergammelt am Tisch stand, ich eh so zart wie möglich ihn von seinen Filzen befreien wollte - er einen brasilianischen Samba am Tisch mit mir tanzen wollte. Da rief ich zu ihr:” Coco schimpf einmal mit ihm oder ihr.” Dann ist sie aufgesprungen, und hat ein paar Beller losgelassen. Als hätte sie sagen wollen: ”jetzt gib einmal Ruhe und sei brav!”. Tatsächlich hat das oft geholfen, zumindest für ein paar Minuten…..

Natürlich hatte auch Coco ihre schwachen Stellen oder Eigenwilligkeiten. Was soll ich sagen, Terrier!! Zum Beispiel Zettelverteiler oder Briefträger liebte sie so heiß, wie ein Pitbull die Wadeln. Es heißt ja nicht umsonst Wadelbeisser. Wenn sie jemanden überhaupt nicht wollte, da hat sie es schon können… Nun da musste ich halt aufpassen. Einmal vor Jahren im Hochsommer ich weiß noch: der Briefträger schreit: “bitte nehmen sie den Hund, ich habe heute eine kurze Hose an”.

Mit dem Alter wurde sie jedoch verträglicher, sodass sich auch Briefträger und Zettelverteiler bei uns im Stiegenhaus nicht mehr bedroht fühlen mussten.

Wir waren ein eingespieltes Team, sie wusste ohne viel Worte was ich will, ich jedoch ärgerte mich, wenn ich nicht gleich wusste, was sie wollte. Entweder dass die Wasserschüssel leer war, oder ein Leckerli unterm Sofa, was sie unbedingt wiederhaben wollte. Oder sie wollte auf der Stelle raus gehen, und und und…..

Fast alle meine Kundenhunde waren ihre Freunde, nie hat zwischen ihnen und ihr Raufereien gegeben, im Gegenteil, sie hat schon bei der Eingangstür gewartet und die Kundenhunde begrüßt, Ohren zurück, Schwanzi gewedelt, “ah, schön, bist du auch wieder da?” Es war immer wieder äußerst süß anzusehen wie sich die Hunde begrüßten. Sie hat halt zum Hundesalon dazugehört. War ein Bestandteil davon.

Im Dezember 2007 wäre sie 15 Jahre geworden, das wären in Menschenalter etwa 80 zurecht eine Seniorin.

Die letzten 2 Monate waren gesundheitlich immer ein auf und ein ab. Mal ein guter Tag, dann wieder Zittern – Schmerzen usw.

Am letzten Tag am 5.November, morgens hat sie das Kopferl ganz schief gehalten, als ob sie einen Schlaganfall gehabt hat, gezittert am ganzen Körper, die Augen – der Blick verschleiert. Da wusste ich, wenn ich sie wirklich liebe, erlöse ich sie. Den ganzen Vormittag habe ich sie nur herumgetragen, zart an mich gedrückt, versucht zu beruhigen, wissend dass dies die letzten Stunden mit ihr sind; sie immer wieder angerochen - eingeatmet (sie hatte einen eigenen Geruch den ich so liebte); sie hatte große Schmerzen, das Herz hat unregelmäßig geschlagen, sie hat immer nach Luft geschnappt, die Zunge bläulich.

Gegen Mittag kam die Tierärztin, sie ist sanft und schnell auf meinem Arm liegend eingeschlafen. Meine einzige Freundin…..
Es sind Jahre vergangen, hab sie noch immer auf dem Desktop im Großformat, und manchmal nachts, wenn ich nicht schlafen kann und an sie denke, glaube sie noch immer zu hören, die Tapser am Parkett….

Hier der letzte Clip von meiner Freundin, mit dem Handy aufgenommen, daher die Qualität:

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